Disziplinierung Thilo Sarrazins:

Chor der Kastraten

Von Gerhard Wagner

Einen Sturm der Entrüstung soll der ehemalige Finanzsenator Berlins und jetzige Vorstand der Deutschen Bundesbank Thilo Sarrazin also ausgelöst haben. Bei wem? Natürlich bei den üblichen Umarmungsaposteln und Wirklichkeitsverdrängern, die zwar eine Minderheit in Deutschland sind, sich aber über gleichgeschaltete Medien lautstark artikulieren können.
Dabei hatte der rhetorische Amokläufer, wie Sarrazin vom Chor dieser politisch Kastrierten genannt wird, nicht mehr gesagt als die Wahrheit. Das führt im Deutschland unserer Tage an den Rand der Vernichtung der beruflichen Existenz. Es ist dabei auch nicht tröstlich, dass die Worte Sarrazins so etwas wie eine Debatte über die Integrationsverweigerung großer Teile der hier lebenden Türken und Araber hervorgerufen haben. Nicht nur in Berlin.
Die Disziplinierungsversuche durch seinen Dienstherren sind die eine Sache und letztendlich ohne Belang. Auch sie bezeugen nur die hilflosen Versuche von Maßregelung, mit der der öffentliche Dienst demokratische Grundregeln aushebelt. Wir erleben das als Journalisten immer wieder, wenn wir mit Lehrern, Soldaten, Polizisten und anderen Beamten reden. Viel schlimmer wiegt aber die kollektive Ignoranz derjenigen, die sowieso Probleme mit der gesellschaftlichen Ordnung dieses Staates haben. Die archaischen Clanstrukturen des islamischen Mittelalters mitten unter uns korrespondieren bestens mit denen versponnener deutscher Gesinnungsterroristen.
14 .Oktober 2009

Diskussion um Sarrazin:

Zur Sache

Von Martin Köhm

Die Berufsbetroffenen in unserem Land müssten Thilo Sarrazin eigentlich dankbar sein. Der Bundesbank-Vorstand hat mit seinen Äußerungen einen Anlass zu neuem politisch korrektem Flügelschlagen geliefert. Ungewöhnlich ist dabei, dass sich diesmal ein SPD-Mitglied auf gefährliches Terrain begeben hat, wobei Sarrazin davor schon als Berliner Finanzsenator wenig Scheu kannte.
Ganz klar: Zurückhaltung ist nicht Sarrazins Sache. Sie war es nicht, als er über den Energieverbrauch von Arbeitslosen philosophierte, und sie war es nun erst recht nicht, als er Begriffe wie die Produktion von Kopftuchmädchen gebrauchte.
Doch die öffentlich geäußerte Empörung stellt missglückte Formulierungen ins Zentrum ihrer Kritik und vermeidet dadurch sachliche Auseinandersetzungen mit Themen wie Einwanderung in die Sozialsysteme oder Integrationsverweigerung durch einzelne Volksgruppen. Auch die nun im Raum stehende Degradierung innerhalb des Bundesbank-Vorstands ist weniger der Sache als den hysterischen Reaktionen geschuldet: Was hat die Zuständigkeit für Bargeld und Risiko-Überprüfung mit Äußerungen zur Situation Berlins zu tun?
Niemand muss Sarrazins Meinung teilen. Wer aber Äußerungen nur innerhalb einer eng begrenzten Bandbreite akzeptiert, betreibt Zensur. Es ist Zeit, die Diskussion zur Sache zu führen – und die Hysteriker links liegen zu lassen.
13 .Oktober 2009

Parteiausschluss Thilo Sarrazins:

Solidargemeinschaft

Von Gerhard Wagner

Spalten statt versöhnen: In unserer vor Konsens triefenden politischen Gesellschaft ist kein Platz für einen wie Thilo Sarrazin. Und in der verspießerten SPD schon gar nicht. Dennoch wird auch die Berliner SPD Sarrazin am Ende in ihren Reihen behalten. Publikumswirksame Rampensäue wie er sind selten geworden im blassen Einheitsbrei der Sozialdemokratie.
Dabei ist das Problem Thilo Sarrazin bezeichnend für den Umgang der Sozialdemokraten mit Solidarität und sozialer Gerechtigkeit. Zwei Begriffe, deren Deutungshoheit die Genossen gern für sich reklamieren, aber in der praktischen Umsetzung völlig versagen. Sarrazin braucht die Solidarität der SPD allerdings gar nicht. Diese Partei muss ihm auch nicht mehr besonders wichtig sein.
Solidarität und soziale Gerechtigkeit setzen ein Geben und Nehmen voraus. Diejenigen, die Zuwendung beanspruchen, müssen etwas zurückgeben, sonst funktioniert Solidarität nicht. Eine Solidargemeinschaft definiert sich nun einmal durch gemeinsame Werte. Diese sind in der Sozialstaatsdebatte längst verloren gegangen. Einfach deswegen, weil den Empfängern von Transferleistungen nichts abverlangt wird. Dass Sarrazin immer wieder auf diese generationenübergreifenden Sozialhilfekarrieren hinweist, die nicht mit Geld und Zuwendung zu durchbrechen sind, passt nicht in ein Deutschland, das die Wahrheit nicht ertragen kann.
02 .März 2010

 

Fall Thilo Sarrazin:

Ordnung muss sein

Von Gerhard Wagner

Es sind unbequeme Wahrheiten, die Thilo Sarrazin oder sein SPD-Genosse, der Bürgermeister des Berliner Bezirks Neukölln, Heinz Buschkowsky, gnadenlos aussprechen. Dass sie immer noch in politischen Ämtern tätig sind, belegt das Ende des Zeitalters der politischen Korrektheit. Wären Sarrazin und Buschkowsky allerdings in der CDU, man hätte sie als Reaktionäre bereits gesteinigt.
Beide Politiker stammen aus einfachen Verhältnissen. Sie haben sich mit Disziplin und eisernem Willen hochgearbeitet, aus ihrem Leben etwas gemacht. Verzicht und klare Ziele stellen sie einer Prekariatskultur der Lethargie entgegen, die durch das öffentliche Transfersystem Deutschlands gefördert wird. Ein Dasein, abhängig von einer Sozialbürokratie, die es sich im System behaglich eingerichtet hat. Kein Wunder, wenn, es hierzulande seit Jahrzehnten keinen Fortschritt bei der Integration ganzer Bevölkerungsgruppen gibt.
Sarrazin hat sich jetzt das Bildungssystem vorgenommen. Und auch dort sagt er schlicht und ergreifend das Richtige. Voraussetzung für den sozialen Aufstieg ist das Beherrschen einfachster Kulturtechniken: Neben Lesen, Schreiben und Rechnen nämlich Ordnung, Einordnung, Respekt vor Lehrern und Identifikation mit den Errungenschaften unseres Landes. Aber genau damit hat ein Teil der Meinungsführer so seine Schwierigkeiten. Mit dem Unterschied, dass diese sich das Leben in ihren komfortablen Parallelgesellschaften leisten können.
11 .März 2010

So wie DLZ- Chef Wagner und Martin Köhm denken zu viele Menschen. Was tun mit den Armen? Treten Treten Treten Treten Treten Treten Treten Treten.

Kommentar von Gerd: Pfui deibel!